Eine durchaus berechtigte Frage ist natürlich: Warum sollte ich Twitter überhaupt als Kanal für den Kundenservice verwenden? Mehr als Gestänkere ist dort doch sowieso nicht zu erwarten!
Mitnichten.
Twitter ist als Kommunikationskanal durchaus ernst zu nehmen. So wie E-Mail oder das Telefon. Der Unterschied – und das macht es zum einen abschreckend, zum anderen aber auch so nützlich: Twitter ist öffentlich.
Wenn Ihnen jemand per Twitter-Reply – also mit dem Zusatz @IHR_UNTERNEHMEN im Tweet eine kurze Nachricht zukommen lässt, können mindestens die Follower des Twitter-Nutzers u.U. sogar alle Internet-User öffentlich sehen. Deswegen setzen Kunden über diesen Kanal gerne einmal ein Anliegen ab, auf das sie eine Antwort erwarten. Und diese möglichst schnell.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung mit der Deutschen Bahn und dem Frankfurter Flughafen.
Ich stand an letzterem und war mir nicht sicher, wo die Lounge der Deutschen Bahn zu finden ist. Also schickte ich einen Tweet ab in dem ich fragte “Wo finde ich am Airport FFM die DB-Lounge?” und adressierte ihn an die Twitter-Accounts der Deutschen Bahn und die Betreiber-Gesellschaft des Flughafen Frankfurt, die FraportAG.
Innerhalb weniger Minuten hatten mir die FraportAG und einige meiner Follower eine Wegbeschreibung zurück getwittert. Das ist der Sinn von Twitter – Informationen so schnell wie möglich auszutauschen, so nah wie möglich an Echtzeit. Die Bahn antwortete mir erst 2 Tage später, klar, dass ich die Informationen da nicht mehr brauchte. Ein normaler Kunde wäre an dieser Stelle schon verärgert gewesen. Mittlerweile hat die Bahn allerdings einiges getan und ein dediziertes Social Media Team für solche Anfragen eingesetzt.
Sie fragen sich nun sicherlich, was ich mit meiner Twitter-Anfrage bezweckte? Nun, zum einen wollte ich wirklich wissen, wo sich die DB-Lounge befindet. Der Airport FFM ist na nicht gerade klein und ich wollte vermeiden möglicherweise minutenlang in die falsche Richtung zu laufen. Zum anderen wollte ich wissen, wie schnell und präzise geantwortet wird.
Klar hätte ich auch zur Information gehen können – aber dann wäre Ihnen und mir dieses wunderbare Fallbeispiel entgangen
Doch was lässt sich nun generell tun?
1. Hören Sie hin, wenn bei Twitter der Name Ihres Unternehmens oder einer Ihrer Marken fällt
Ein erster Schritt hierfür ist die Suchfunktion von Twitter. Damit erhalten Sie einen ersten Eindruck, ob Ihr Unternehmen bereits im Gespräch ist.
Sinnvoller ist die Nutzung eines der zahlreichen Monitoring Tools für Twitter (Karrierebibel), (hier eine aktuelle Vorstellung von 17 Twitter Monitoring-Tools), das Ihnen unterschiedliche Möglichkeiten zur Twitter-Überwachung bietet, von einer Benachrichtung sobald in einem Tweet ein entsprechendes Schlüsselwort genannt wird bis zur komplexen Darstellung wann wann sie von wem zitiert oder retweeted wurden.
2. Starten Sie einen Twitter-Account für Ihr Unternehmen
Der eigentliche “Start” ist innerhalb von wenigen Minuten erledigt. Worüber Sie sich klar sein sollten ist, dass ein Unternehmens-Twitter-Account bedeutet, dass jemand darauf achten muss. Es sollten regelmäßige Informationen oder zumindest Meldungen kommuniziert werden, damit Kunden und Interessen Ihren Account als lebendig wahr nehmen.
3. Gehen Sie auf Fragen und Kritik ein, bedanken Sie sich für Feedback
Was sich nach normaler Höflichkeit anhört, ist insbesondere auf Twitter essenziell: Jedes Mal, wenn Sie über Ihren Unternehmens-Account interagieren, entsteht die Chance für eine Reaktion durch potenzielle Kunden und Interessenten, die wiederum von deren Followern wahr genommen und zu weiterer Interaktion führen kann.
4. Seien Sie schnell
Wie in meinem Beispiel oben bereits erwähnt: Gehen Sie so zeitnah wie möglich auf Anfragen die über Twitter gestellt werden ein. Gerade auf Twitter gewöhnen sich die Nutzer zunehmend an Reaktionszeiten im Minutentakt. Oft ist eine allzu späte Antwort nicht mehr hilfreich. Zumindest nicht mehr beeindruckend.
5. Auf Facebook sind Kunden – auf Twitter Multiplikatoren
Meine Erfahrung ist, dass sich auf Twitter deutlich mehr Menschen bewegen, die sinn- und gehaltvoll kommunizieren möchten. Menschen, die sich auch ihrer eigenen Reichweite und Fähigkeit andere zu erreichen und zu aktivieren bewusst sind und vernetzt denken, wohingegen Einträge und Kommentare auf Facebook eher eine kommunikative Einbahnstraße sind bzw. Konversationen schnell aus dem Fokus laufen und eine Eigendynamik unter den Kommentatoren entwickeln.
Einige interessante Beispiele, in ein Blogger und Twitterer Unternehmen direkt angesprochen hat, finden Sie hier
Einige kommentierte Beispiele aus der Unternehmenswelt
Wie die comdirect Bank Twitter und Facebook nutzt
Eine Beleuchtung des Telekom_hilft Projektes
und
der überaus humorvolle und professionelle Umgang des Twitterteams der Deutschen Bahn mit Tweets aus der Zugtoilette




Aktuelles Interview mit Jörg Wassink, Pressesprecher Sage Deutschland, zum Thema Social Media.
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