Ein CRM-System verwaltet Kunden-Informationen. So weit, so klar. Eine Frage, die sich da ja förmlich aufdrängt ist:
Was nützt mir ein CRM-System bei der Neukunden-Gewinnung, wenn ich noch gar keine Kundendaten vorliegen habe?
Fangen wir ganz von vorne an: Wie kommen neue Kunden zustande? Erlauben Sie mir ganz bewusst auf Callcenter, E-Mail-Marketing u.ä. später einzugehen. Stattdessen möchte ich den Blick auf Situationen richten, die wir alle im Tagesgeschäft erleben. CRM soll Kundenbeziehungen strukturieren und organisieren. Uns einen Überblick über Bestandskunden und potenzielle Neukunden verschaffen und abteilungsübergreifenden Zugriff (vom Konzern bis hinunter zum Kleinstunternehmen relevant) auf diese Daten ermöglichen:
Wir sind auf Messen unterwegs und kommen mit einem reichhaltigen Angebot aus Visitenkarten nach Hause. Bei Vortragsveranstaltungen haben wir lockere Gespräche und erste Projektideen in der Networking-Kaffeepause und selbst auf privaten Feierlichkeiten ergeben sich immer wieder interessante Gespräche, die Potenzial für unser Geschäft haben. Das sind nur wenige Beispiele für persönliche Kontaktkanäle.
Was hat das mit CRM zu tun?
Nun, unser Gedächtnis funktioniert am besten, wenn es Informationen ganz frisch verarbeiten und wieder geben kann. Das gilt selbstverständlich auch für Kontaktinformationen. Je eher Sie diese in einem entsprechenden System festhalten können, desto besser. Normalerweise hätten wir die Visitenkarten bestenfalls noch mit einer kurzen Notiz versehen in einem Rolodesk zusammen gefasst, um dann einige Tage später den Kontakt anzurufen.
Heute übernehmen wir die Daten von der Karte in ein elektronisches Adressebuch auf dem Rechner und das war es dann meistens auch schon. Viele der kleinen Details aus Gesprächen und vor allem emotionales Wissen über die neuen Kontakte gehen uns mit der Zeit einfach verloren. Diese Informationen sind aber Gold wert, wenn wir das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen wollen.
Potenzial der Kontaktdaten nutzen
Dabei steckt in den frischen Kontaktdaten vielmehr Potenzial, wenn sie so schnell und detailliert wie möglich im CRM erfasst und ergänzt werden. Bei der Erfassung geben Sie die Kerndaten ein. Name, Telefonnummer, Adresse, Position.
Danach werden die Kerndaten um so viele Details wie möglich ergänzt.
- Worüber habe ich mich mit der Person unterhalten?
- Was waren die Kernaussagen?
- Welche Ideen für Anknüpfungspunkte im Vertrieb sind mir gekommen?
- Welche meiner Leistungen könnten die richtigen für diesen Kontakt sein?
- Was hat die Kontaktperson getrunken? Damit ich beim nächsten Gespräch ggf. gleich das richtige Getränk vorschlagen kann.
- Ist im Gespräch ein Termin gefallen, zu dem ich die Person bereits wieder treffe?
- Wann wäre andernfalls ein direktes Kontaktieren sinnvoll oder wurde bereits ein weiteres Gespräch vereinbart?
Dementsprechend kann ich mir auch gleich passende Termine im Kalender blocken und Wiedervorlagen einrichten. Wenn ich von Kollegen ergänzendes Know How einholen muss, wird das gleich erledigt. So bin ich für das nächste Gespräch mit dem neuen Kontakt bestens gerüstet.
Nach diesem Gespräch geht meine Info-Pflege im CRM in die nächste Runde und ich ergänze wiederum, was ich an neuem Wissen über meinen Kunden erhalten habe. Da den meisten Menschen beim Schreiben und Nachdenken noch viele weitere Details einfallen, entwickelt sich so eine echte Goldmine an Kundeninformationen.
Meine persönliche Erfahrung: Mir kommen bei der Eingabe dieser Daten oft konkrete Ideen für Projekte mit dem entsprechenden Kontakt, die ich im CRM kurz skizziere und mit ungefährem Auftragsvolumen und einem groben Zeitplan festhalte. Eine ausführliche Version der Skizze lasse ich meinem Ansprechpartner zeitnah zukommen und setze mir den Kontakt auf eine Wiedervorlage, so dass ich nach passender Zeit noch einmal nachfragen kann. Auf diese Weise konnte ich bereits zahlreiche Projekte realisieren und habe in meinem CRM immer die Übersicht über ausstehendes Auftragspotenzial und eine Orientierung für meine Zeitplanung. Mehr zu diesen Werkzeugen lesen Sie in einem späteren Artikel.
Und wie sieht es mit Kanälen wie Telefon oder E-Mail aus?
Machen wir einen kleinen Sprung und skalieren von persönlichen Kontakten einmal hoch zu Massenaktionen der Neukundengewinnung. Ob das nun E-Mail-Aktionen, Kontakte aus dem Callcenter oder Promotion-Aktionen sind. Auch hier gilt wieder: Je eher und genauer die Daten der Kontakte erfasst und mit Detailinformationen versehen werden, desto besser können daraus weitere Schritte abgeleitet werden.
Sicher: In diesen Kanälen sprechen wir (noch) nicht davon, wie der potenzielle Neukunde seinen Kaffee gerne trinkt oder über welche Projekte wir uns unterhalten haben. Dennoch lassen sich wertvolle Informationen ablesen, z.B. welcher Newsletter-Empfänger hat auf welche Produktlinks geklickt. Wird diese Information gezielt für eine konkrete E-Mail vom Newsletter in das CRM übertragen, haben wir ein wichtiges Detail für weitere Angebote und Gespräche mit dem Kunden gewonnen: Wofür er sich konkret interessiert und was wir ihm gezielt anbieten können, um aus einem Interessenten unseren Kunden zu machen.
In 1:1 und in Massenkanälen helfen uns detaillierte Informationen persönlichere und vertrauensvollere Kontakte aufzubauen und somit eher zum Abschluss zu kommen.
Zusammenfassung
Ein CRM unterstützt uns beim Gewinnen neuer Kunden mit folgenden Ablauf:
1. Neu-Kontakt erfassen
2. Detail-Informationen zum Kontakt ergänzen
3. Kontakt aktiv angehen
4. Detail-Inforamtionen regelmäßig erweitern
5. Abschluss tätigen
6. Informationen zur Neukundengewinnung dienen ab jetzt dem Kundenservice
Diese Vorgehensweise zur Neukundengewinnung mit CRM lässt sich auf beliebige Kanäle und Kundenzahlen skalieren. Vom persönlichen Einzelkontakt, über mehrere hundert Telefonkontakte bis rauf zu mehreren Tausend E-Mail-Kontakten.
Wie setzen Sie CRM zur Neukunden-Gewinnung ein?